[DE] FNAF X: Der Schlüssel im Auge Ep. 12.1
Elara starrte auf den wimmernden Balloon Boy. Seine lila und rosa Fetzen, die hängenden Gliedmaßen und das Loch in seiner Brust, aus dem das mechanische Schluchzen drang – es war eine traurige, groteske Erscheinung. Trotz der unerbittlichen Gefahr, die Bonnie hinter ihr darstellte, spürte Elara einen Stich der Empathie. Das war kein Jäger wie Freddy oder Bonnie. Das war etwas Gebrochenes. Und es sprach, wenn auch nur in einem verzerrten Flüstern.
„Was… was willst du?“, flüsterte Elara, ihre Stimme belegt vor Angst, aber mit einem Hauch von Zwang. Sie kroch einen Zentimeter näher, ignorierte das immer lauter werdende SCHLEIFEN von Bonnies Körper, der die Türöffnung erreichte.
Balloon Boy zuckte. Seine leeren, knopfartigen Augen, aus denen das purpurfarbene Leuchten drang, schienen sich auf Elara zu richten. Das Wimmern verstummte für einen Moment, dann kam ein weiteres, verzerrtes Flüstern aus der Öffnung in seiner Brust: „Frei… lass… mich…“
Elara runzelte die Stirn. „Frei lassen? Was meinst du? Wie?“ Sie sah sich um, ihre Augen suchten nach einem Mechanismus, einem Schalter, etwas, das dieses arme Ding von seinem Leid befreien könnte. Die Umgebung war nur alte Kisten und Schutt.
Das Schluchzen in Balloon Boys Brust verstärkte sich, begleitet von einem leisen, rhythmischen KLICKEN. Es war wie eine alte Uhr, die ihren letzten Takt schlug. Sein Körper begann leicht zu vibrieren.
Plötzlich sah Elara, wie Bonnies fehlende Hand, eine wirre Masse aus blankem Endoskelett, durch den Spalt der Tür geschoben wurde. Er war da. Er hatte sie gefunden. Das Wimmern von Balloon Boy wurde zu einem schrillen, verzerrten Schrei, der den kleinen Raum erfüllte.
„Die… Tür…“, krächzte Balloon Boy, seine Stimme jetzt lauter, verzweifelter. „…schließe… die… Tür…“
Elara starrte ihn an. Meinte er die Tür, durch die Bonnie kam? Aber wie? Sie hatte sie nur zugestoßen. Sie war nicht verschlossen. War es eine Falle?
Bonnie rammte sich erneut gegen die Tür. Die Metallkiste, die Elara davor geschoben hatte, wurde zur Seite geschleudert, und ein Spalt öffnete sich. Bonnies rote Augen glühten in der Dunkelheit.
„Schließe… die Tür…!“, wiederholte Balloon Boy, das purpurfarbene Licht in seinen Augen flackerte wild. „…der… Schlüssel… ist… im… Auge…“
Im Auge? Elara riss die Augen auf. Hatte sie das richtig verstanden? Der Schlüssel, um Bonnie fernzuhalten, war im Inneren von Balloon Boy? Aber in welchem Auge? Er hatte doch keine Augen.
Elara hatte keine Zeit mehr. Bonnies glühende rote Augen waren nun durch den Spalt der Tür deutlich zu sehen, und sein metallisches Schleifen wurde zu einem wütenden Schaben, als er sich durch die Öffnung zwängte. Der "Schlüssel" im Auge. Es war die einzige Option, die sich in diesem Chaos anbot, so verrückt sie auch klang.
Sie krabbelte hastig auf Balloon Boy zu. Ihre Hände zitterten, als sie nach seinem leeren, knopfartigen Auge griff, aus dem das purpurfarbene Leuchten drang. Es gab keinen sichtbaren Schlüssel, keinen Mechanismus. Sie musste tiefer greifen, in das Innere dieses scheinbar harmlosen, doch so tragischen Animatronics.
„Im… Auge…“, flüsterte Balloon Boy erneut, seine Stimme schwächer, begleitet von einem raschen Klicken aus seiner Brust. Sein purpurfarbenes Leuchten pulsierte wie ein sterbender Herzschlag.
Elara bohrte ihre Finger in die Augenhöhle. Es war kalt und staubig, aber da war nichts. Keine Taste, kein Hebel. Nur die Innenseite des leeren Augapfels. Dann spürte sie etwas Kleines, Hartes, das an einer inneren Schiene zu hängen schien. Sie zerrte daran.
Mit einem leisen KLICKEN löste sich ein winziger, silberner Chip. Nicht größer als ein Fingernagel. Es war ein Flash-Laufwerk. Ein Datenchip.
In diesem Moment brach Bonnie vollständig durch die Tür. Die Metallkiste wurde zur Seite gerissen, und sein massiver, zerfetzter Körper stürmte in den Raum. Seine glühenden Augen fixierten Elara, die immer noch neben dem wimmernden Balloon Boy kauerte.
„Du…“, knurrte Bonnie, seine Stimme verzerrt und voller Wut. „…hast… dich… getäuscht…“
Doch bevor Bonnie sie erreichen konnte, ertönte ein lautes KNIRSCHEN aus Balloon Boys Brust. Der kleine Animatronic zuckte heftig, sein purpurfarbenes Licht erlosch endgültig. Eine letzte, verzerrte Flüstern: „Lauf…“
Und dann – KLACK! – hörte Elara ein lautes Geräusch. Die Metalltür des Lagerraums, die Bonnie durchbrochen hatte, schwang mit einem unerwarteten Ruck zurück und blockierte den Großteil des Eingangs. Es war nicht ganz geschlossen, aber es war genug, um Bonnie vorerst zu stoppen. Sein wütendes Knurren hallte hinter der plötzlich schließenden Tür wider.
Elara starrte auf den Chip in ihrer Hand. Der Schlüssel. Es war kein physischer Schlüssel zur Tür, sondern ein digitaler. Die Marionette hatte nicht gelogen. Dieses arme, gequälte Ding hatte ihr einen Weg gezeigt. Einen Weg, der nicht durch Gewalt, sondern durch Information führte.
Sie war gerettet. Für den Moment. Aber was war auf diesem Chip? Und wie konnte sie ihn nutzen?
Elara hat einen mysteriösen Datenchip von Balloon Boy erhalten, der Bonnie vorerst blockiert hat.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen