[DE] FNAF X: Der Weg in die Dunkelheit Ep. 7
Elara presste sich an die Wand, ihr Herz raste, während sie dem Klopfen und Schaben lauschte, das nun von der anderen Seite der Tür kam. Die verrostete Metallkiste, die sie davor geschoben hatte, ächzte und knarrte unter dem Druck von außen.
Es war Bonnie. Das schleifende Geräusch, das sie bereits gehört hatte, war jetzt lauter, schärfer. Metall auf Metall. Er kratzte mit seinen verbliebenen mechanischen Fingern an der Tür, versuchte, einen Spalt zu finden, einen Ansatzpunkt. Dann kam ein dumpfer Aufprall – er rammte sich gegen die Tür, immer und immer wieder. Jedes Mal bebte der kleine Raum, und Staub rieselte von der Decke. Der Geruch, eine scharfe Mischung aus Schimmel, Verwesung und dem eigentümlichen, elektrischen Brandgeruch der Animatronics, drang durch die Ritzen und umschloss Elara.
Sie krallte ihre Finger in ihre Arme, um sich an etwas Festem zu halten, um sich zu erden. Der Putzraum war winzig, kaum größer als ein Kleiderschrank. Neben ihr stapelten sich verstaubte Eimer, zerbrochene Besen und Flaschen mit längst eingetrockneten Reinigungsmitteln. In der Dunkelheit schienen die Schatten an den Wänden zu tanzen, und jedes Geräusch, das ihr eigener Körper machte – das schnelle Pochen ihres Herzens, das flache Keuchen ihres Atems – war in der beängstigenden Stille ohrenbetäubend.
Das Hämmern an der Tür wurde zu einem wütenden Trommeln. Ein tiefes, knurrendes Geräusch drang durch das dünne Holz. Bonnie war nicht nur eine kaputte Maschine. Er war besessen, erfüllt von einer bösartigen Energie, die nur ein Ziel kannte: sie zu finden. Elara schloss die Augen, wünschte sich, sie könnte sich in Luft auflösen.
Plötzlich, so abrupt wie es begonnen hatte, verstummte das Hämmern. Die Kratzgeräusche ebbten ab. Die Stille kehrte zurück, aber diese war anders. Sie war nicht die totale, tote Stille des ausgeschalteten Freddys. Diese Stille war lauernd, wartend.
Elara wagte es kaum zu atmen. Hatte er aufgegeben? Oder lauerte er nur? Sie presste ihr Ohr vorsichtig an die Tür. Nichts. Nur das ferne, unregelmäßige Summen der alten Elektrik des Gebäudes.
Nach einer Minute, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, hörte Elara ein leises, schleifendes Geräusch, das sich langsam entfernte. Es wurde leiser und leiser, bis es im entfernten Flur verschwand. Bonnie war weg.
Ein zittriger Atem entwich Elaras Lippen. Eine vorübergehende Gnadenfrist. Sie konnte sich nicht länger hier verstecken. Irgendwann würde er zurückkommen. Oder einer der anderen. Sie musste einen anderen Weg finden.
Ihre Augen wanderten durch den kleinen Raum. Die Wände waren aus rauen Betonblöcken, die Decke niedrig. Doch in der Ecke, hinter einem Stapel alter Lumpen, bemerkte sie etwas Ungewöhnliches. Ein loser Ziegel. Ein Spalt im Beton. Es war klein, kaum sichtbar, aber es war da.
Könnte das ein alter Wartungsschacht sein? Ein Schacht, der sie vielleicht aus diesem Albtraum führen könnte? Ihr Herz pochte wieder, diesmal nicht nur aus Angst, sondern auch aus einem Funken Hoffnung.
Sie musste vorsichtig sein. Sehr vorsichtig.
Der Gedanke an einen möglichen Ausweg ließ einen winzigen Funken Hoffnung in Elaras Panik aufleuchten. Mit zitternden Händen schob sie die alten Lumpen beiseite, die den Spalt im Beton verdeckten. Es war tatsächlich ein loser Ziegelstein, der sich überraschend einfach herauslösen ließ, als hätte ihn jemand absichtlich nur provisorisch eingesetzt.
Hinter dem Ziegelstein offenbarte sich ein dunkles, enges Loch. Ein Wartungsschacht, genau wie sie vermutet hatte. Der Geruch, der daraus drang, war feucht und muffig, eine Mischung aus Erde, Schimmel und etwas, das sie nicht identifizieren konnte – etwas Künstliches, fast Medizinisches. Es war eng. Viel zu eng, aber es war ein Fluchtweg.
Elara schaltete die Taschenlampe ihres Handys ein. Der Lichtkegel verschwand sofort in der schwärzesten Dunkelheit, die sie je gesehen hatte. Sie leuchtete hinein. Das Innere des Schachtes bestand aus verrosteten Metallstreben und nassen Betonwänden. Einzelne, dicke Kabelbündel verliefen entlang der Decke und des Bodens, verschwanden in der Finsternis. Es war kein Ort, an dem man sich frei bewegen konnte, eher ein Kriechgang.
Sie zögerte. Der Gedanke, sich in diese klaustrophobische Röhre zu zwängen, während sie wusste, dass sich draußen mordlustige Animatronics bewegten, war beinahe so beängstigend wie die direkte Konfrontation. Doch die Alternative – im Putzraum zu warten, bis Bonnie zurückkam – war noch schlimmer.
Ein leises Kratzen kam von der Tür. Ein Geräusch, das nicht vom alten Schloss oder der Kiste kam, sondern von etwas, das sich vorsichtig an der Außenseite entlangbewegte. Bonnie war zurück.
Elara hatte keine Zeit mehr. Sie drückte ihr Handy mit der Taschenlampe fest zwischen die Zähne, sodass das Licht in den Schacht fiel. Mit einem letzten, panischen Blick zur Tür zwängte sie sich kopfüber in das Loch. Es war ein Kampf. Die rauhen Betonwände schabten an ihrer Uniform, die verrosteten Metallstreben kratzten an ihrer Haut. Der Geruch wurde überwältigend.
Sie spürte, wie ihre Füße den Boden des Putzraumes verließen. Sie war drin. Gefangen zwischen kalten Wänden und der Dunkelheit, die sie zu verschlucken drohte. Sie kroch weiter, ihre Ellbogen und Knie schlitterten über den nassen Beton. Der Schacht war uneben, und manchmal schien es, als würde sie in ein Nichts fallen.
Plötzlich, ein lautes SCHABEN direkt hinter ihr. Ein tiefes, wütendes Grunzen hallte durch den Schacht. Bonnie war an der Öffnung. Er versuchte, seinen metallenen Arm in das Loch zu zwängen, aber es war zu eng.
Elara ignorierte das Geräusch und kroch schneller. Ihre Gedanken rasten. Wohin führte dieser Schacht? War sie sicher? Oder führte dieser Weg sie nur tiefer in den Albtraum hinein?
Das Licht ihres Handys begann zu flackern. Die Batterie. Panik stieg in ihr auf. Wenn das Licht ausging, wäre sie blind in dieser tödlichen Dunkelheit.
Sie kroch weiter, die Geräusche von Bonnie hinter sich wurden leiser, wichen aber einem neuen, noch unheimlicheren Geräusch: einem leisen, mechanischen Flüstern, das aus der Dunkelheit vor ihr zu kommen schien. Ein Flüstern, das ihren Namen murmelte.

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