[DE] FNAF X: Vollkommene Dunkelheit Ep. 7.2
Elara kroch weiter, die Geräusche von Bonnie hinter sich wurden leiser, wichen aber einem neuen, noch unheimlicheren Geräusch: einem leisen, mechanischen Flüstern, das aus der Dunkelheit vor ihr zu kommen schien. Ein Flüstern, das ihren Namen murmelte.
„Elara…“
Die Stimme war kratzig und digital verzerrt, aber unverkennbar weiblich. Sie schien aus den Wänden zu kommen, aus den Kabeln, die über ihr verliefen. Es war kein menschliches Flüstern, eher das Geräusch einer kaputten Spieluhr, die sich langsam verabschiedete. Ihr Handylicht flackerte noch heftiger, warf tanzende Schatten an die engen Wände und drohte, jeden Moment zu erlöschen. Der Batteriesymbol war rot und blinkte unaufhörlich.
Trotz der lähmenden Angst, die ihr in den Gliedern steckte, spürte Elara einen seltsamen Zwang, dem Flüstern zu folgen. Es war nicht wie die aggressive, jagende Präsenz der Animatronics. Es war lockend, fast flehend. War es eine Falle? Oder war da jemand? Etwas?
„Komm… zu mir…“
Das Flüstern wurde deutlicher, schien aus einer Biegung des Schachtes vor ihr zu kommen. Die Luft wurde kälter, eine feuchte, modrige Kälte, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Sie zwängte sich um eine scharfe Kurve. Der Schacht wurde hier noch enger, die Gänge schienen sich zu verwinden und zu winden, als wäre das Gebäude selbst lebendig und würde sich um sie schließen.
Ihr Handylicht erlosch kurz. Elara stieß einen panischen Schrei aus, der in der Enge des Schachts erstickte. Absolute Dunkelheit. Der Geruch nach Schimmel, Rost und diesem süßlichen, elektrischen Brandgeruch war jetzt alles, was sie wahrnahm. Die Dunkelheit presste sich auf sie, wie eine gigantische, unsichtbare Hand, die ihr die Luft abschnürte.
Dann, mit einem zitternden Zucken, kam das Licht zurück. Schwächer als zuvor, aber es war da. Gerettet. Für den Moment.
Der Lichtstrahl traf auf etwas in der Ferne. Ein schwaches, bläuliches Leuchten. Es war nicht die Reflexion von Metall. Es war ein Auge.
Ein einzelnes, leuchtendes Auge, das aus der Dunkelheit starrte. Es gehörte nicht zu Freddy. Es gehörte nicht zu Bonnie. Es war ein anderer Animatronic. Dünn, hochgewachsen, und ihre Form schien sich in den Schatten aufzulösen. Sie war abgenutzt, zerzaust, ihre Farbe war verblichen, und sie war mit Kabeln übersät, die wie Ranken von ihr hingen.
Das Flüstern wurde lauter, diesmal direkt vor ihr. Es war ein Mädchen. Eine kinderähnliche Stimme, gefangen in einem mechanischen Gefängnis.
„Ich… warte…“
Elara erstarrte. Das war keine reine Bedrohung wie die anderen. Das war etwas viel Älteres, viel Traurigeres. Etwas, das gelitten hatte. Das Auge bewegte sich nicht, aber Elara spürte, wie der Blick sie durchdrang, als würde die Kreatur direkt in ihre Seele blicken.
Sie war am Ende des Schachtes angekommen. Das Leuchten des Auges war jetzt so nah, dass es die verrosteten Wände und Kabel um sie herum beleuchtete. Der Weg vor ihr endete in einem runden Loch, einer weiteren Öffnung, die in einen größeren, dunklen Raum führte. Und dort, direkt vor dem Loch, saß sie.
Die Marionette.
Ihre langen, dürren Gliedmaßen waren seltsam verdreht. Ihr Gesicht, weiß mit roten Wangen und purpurfarbenen Tränenstreifen, war zur Seite geneigt. Und ihr eines, leuchtendes Auge fixierte Elara. Ihre leeren, schwarzen Augenhöhlen starrten sie an, als wäre sie ein unerwünschter Gast.
„Du… darfst… nicht… gehen…“
Das Flüstern der Marionette erfüllte den engen Raum, ein eisiger Hauch von Verzweiflung und Besitzanspruch. Elara war in eine andere Art von Falle geraten, eine, die viel tiefer und psychologischer war als die mechanische Gewalt, der sie bisher begegnet war.
Die Batterie ihres Handys starb endgültig. Mit einem letzten, schwachen Zucken erlosch das Licht, und Elara wurde in absolute, erdrückende Dunkelheit getaucht. Das Flüstern der Marionette wurde schlagartig lauter, als wäre es durch das Verschwinden des Lichts befreit worden, schien nun von überall und nirgends zu kommen.
„Gefangen…“ hauchte die mechanische Stimme. „…allein…“
Elara presste sich an die kalten, nassen Wände des Schachtes. Ihre Augen waren weit geöffnet, suchten verzweifelt nach einem Funken Licht, aber da war nichts. Die Dunkelheit war nicht einfach die Abwesenheit von Licht; sie war eine physische Präsenz, die sich um sie schloss, schwer und erstickend. Der Geruch von Schimmel und Verwesung wurde intensiver, erfüllte ihre Lungen, als würde sie faulige Luft atmen.
Das leuchtende Auge der Marionette war das Einzige, was in der Schwärze noch existierte. Ein bläulicher Punkt, der wie ein böswilliger Stern in der Ferne schwebte, sie unentwegt beobachtete. Es schien näher zu kommen, pulsierend in der Dunkelheit.
„Sie… wissen… du bist hier…“ flüsterte die Marionette, ihre Stimme jetzt ein kalter Schauer, der Elaras Rückgrat hinunterlief. „…die Anderen… sie kommen… für dich…“
Elara versuchte, sich zu bewegen, aber die Dunkelheit lähmte sie. Jeder Sinn schien überreizt, jeder Schatten eine Bedrohung. Sie hörte das leise Knistern von Elektrizität, ein Geräusch, das sie zuvor dem Lüftungssystem zugeschrieben hatte, das aber jetzt viel unmittelbarer klang. Es war das Geräusch von etwas, das sich durch die engen Gänge bewegte.
War das Bonnie, der zurückkam? Oder war es etwas anderes? Das, was die Marionette mit „die Anderen“ meinte?
Die Marionette kicherte, ein trockenes, trauriges Geräusch. „Deine… Seele… wird uns gehören…“
Ein plötzliches KRATZEN ertönte. Nicht aus der Richtung der Marionette. Es kam von den Wänden des Schachtes, hinter Elara, als würde etwas Großes und Schweres sich durch die engen Gänge zwängen. Das Klirren von Metall auf Metall. Ein Geräusch, das Bonnie bekannt war.
Elara war gefangen. Zwischen der unheimlichen, sprechenden Marionette vor ihr und der mechanischen, wütenden Bestie hinter ihr. Sie hatte keinen Lichtstrahl, keine Hoffnung, keine Möglichkeit, zu sehen, was als Nächstes kommen würde. Nur die Dunkelheit, das Flüstern und die Gewissheit, dass die Nacht noch sehr lang sein würde.
Elara steckt nun in einer noch verzweifelteren Lage, ohne Licht und mit Bedrohung von zwei Seiten!

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